Ich sitze aktuell hier auf der Insel Phu Quoc in Vietnam mit Blick aufs Meer und bin mitten in meiner 5-monatigen Südostasien-Reise. Kein Urlaub, sondern Workation. Immer wieder, wenn ich schöne Momente von hier auf Instagram oder Youtube teile, kommt die Frage: „Wie finanzierst du dir diese Reise? Wie kann man so lange reisen?“ Heute erkläre ich dir meinen kompletten Plan Schritt für Schritt.
Der Anfang: Warum das realistischer ist, als du denkst
Seit ich vor ein paar Jahren angefangen habe, immer wieder längere Reisen zu machen (3-4 Wochen bis zu 1-2 Monate am Stück) und jetzt seit bereits über 2 Monaten unterwegs und noch länger geplant. Und nein – ich bin nicht reich oder hab so viel angespart. Also wie leiste ich mir monatelanges Reisen? Die Wahrheit ist, dass es kein Zufall oder reines Glück ist. Es ist ein durchdachtes System aus Arbeit, Kostensenkung und kluger Planung.
Ich bin kein digitaler Nomade, der alles aufgegeben hat, um sich das leben wo anders zu finanzieren. Ich habe weiterhin meine Wohnung, mein Auto und laufende Kosten in Österreich. Trotzdem schaffe ich es, hier zu leben, zu arbeiten und nicht im finanziellen Minus zu landen. Lass mich dir zeigen, wie das funktioniert – und wie du das selbst umsetzen kannst.
Flexible Arbeit als Grundvoraussetzung
Alles beginnt mit der Arbeit. Du brauchst ein laufendes Einkommen. Klar, wenn du so viel angespart hast, dass du davon einige Monate reisen kannst, ist das schön, aber das lässt die angesparten Reserven auch schnell verschwinden. Meine Reise finanziert sich also aus laufendem Einkommen. Ohne vollständig ortsunabhängige Tätigkeit geht bei mir gar nichts. Ich arbeite selbstständig als Webdesigner und führe meine Webdesign Agentur, aber auch ein reiner Remote-Job bei einem Unternehmen würde funktionieren. Der Vorteil der Selbstständigkeit liegt auf der Hand: Ich sitze in der Sonne, statt in einem Großraumbüro, und kann meine Zeit weitgehend selbst einteilen. Im Vergleich mit einer Full Remote Festanstellung muss man auf eventuelle fixe Arbeitszeiten achten. Mit meiner Selbstständigkeit bin ich da etwas flexibler.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Niemand steht hinter dir und kontrolliert deine Produktivität – das erfordert enorme Selbstdisziplin. Man muss sich als Unternehmer seine Arbeitszeit selbst einteilen und das bestimmt wiederum das Einkommen.
Stabiles Internet ist keine nette Zusatzoption, sondern eine absolute Notwendigkeit. Und das soziale Netz, das ein Angestelltenverhältnis bietet – wie Arbeitgeber-Krankenversicherung oder bezahlte Urlaubstage – musst du selbst organisieren.
Wer das aber plant und durchhält, öffnet sich eine Welt der Freiheit. Die Belohnung ist es wert: Neue Perspektiven jeden Tag, während Kollegen zu Hause im Regen zur Arbeit pendeln oder wie ich in Vergangenheit im Winter täglich nur zu Hause am Schreibtisch verbringen und aufgrund der Kälte kaum rausgehen.
Zusätzlich habe ich mir im Laufe der letzten Jahre noch ein paar kleinere Nebeneinkommen geschaffen, die großteils passiv funktionieren. Darunter zählen zB. Zinsen, die ich bei Bondora* erhalte. Dort erhalte ich momentan knapp 2€ / Tag Zinsen. Klar, davon kann man zwar nicht leben, aber das zahlt schon das ein oder andere Mittagessen hier in Vietnam ab (Hier auch ein passender Artikel dazu).
Der entscheidende Hebel: Kostenreduktion zu Hause
Hier liegt der größte Fehler vieler Anfänger: Sie unterschätzen ihre Fixkosten zu Hause. Ich habe Wohnung, Auto, Versicherungen – all das läuft weiter, auch wenn ich in Bangkok, Vietnam oder sonst wo sitze. Klar gäbe es die Möglichkeit, als richtiger digitaler Nomade alles aufzugeben, aber auch das ist für viele nicht so einfach oder gar nicht gewünscht.
Also hat man in diesem Hybridmodell einerseits sämtliche Kosten auf der Reise sowie auch die laufenden Kosten zu Hause. Wie kann man dann fünf Monate oder mehr „doppelt zahlen“?
Die Lösung ist brutal einfach, aber effektiv: Reduziere deine Heimat-Kosten auf das absolute Minimum. Mein Auto habe ich abgemeldet, bevor ich geflogen bin. So zahle ich nur noch die minimale Versicherung von etwa 40 Euro im Monat statt der üblichen 160 Euro.
Noch wichtiger: Meine Wohnung ist untervermietet. Das deckt rund 80 Prozent meiner Wohnkosten (inkl. BK, Strom etc.). Statt insgesamt 1000 Euro im Monat bleiben mir nur noch 100 Euro Eigenanteil. Zusammen mit anderen Fixkosten wie Betriebskosten, Strom, Warmwasser, Internet komme ich auf 500 bis 600 Euro monatlich – statt der ursprünglichen 1500 Euro.
Auch meinen Handytarif konnte ich zum Glück pausieren und zahle somit nichts, so dass ich ihn einfach nach der reise wieder aktivieren kann.
Die Kosten zu Hause zu reduzieren ist der Gamechanger. Ohne diese Maßnahme wäre diese Reise nicht finanzierbar. Meine Einsparungen sind zwar schon ganz gut, aber optimal wäre es natürlich, die Kosten auf nahezu Null zu bringen.
Budgetieren im Reiseland – die großen Posten verstehen
Südostasien ist ein Traum für Reisende mit kleinem Budget, aber dein persönlicher Lebensstil macht den Unterschied. Ich esse oft für 1 bis 2 Euro ein leckeres Mittagsgericht bei lokalen Restaurants – das ist täglich machbar. Manchmal gönne ich mir aber mit Freunden japanisches Essen oder BBQ, und dann liegen wir bei 25 bis je nachdem 40 Euro. Immer noch günstiger als in Europa, aber ein signifikanter Unterschied.
Die wahren großen Posten sind Flüge und Unterkünfte, und hier kannst du enorm sparen.
Meine Hin- und Rückflüge nach Südostasien kosteten ca. 850 Euro. Für zwei oder drei Wochen wäre das absurd teuer für den Zeitraum. Verteilt auf fünf Monate sind es jedoch nur 170 Euro im Monat – ein No-Brainer. Dazu kommen drei bis vier Inlandflüge für je 50 bis 100 Euro, was insgesamt überschaubar bleibt. Je länger deine Reise dauert, desto günstiger wird jeder Flug pro Tag.
Bei Unterkünften gilt Ähnliches. Ich bin viel unterwegs und wechsle alle fünf bis sieben Tage den Ort. Hier liegen die Kosten je nach Ort und Zeit im Durchschnitt bei etwa 25 Euro pro Nacht. Manchmal habe ich simple Unterkünfte um 12€/Nacht und manchmal gönne ich mir eine bessere Unterkunft samt Gym und Rooftop Pool um 40€+/Nacht. Daher entscheiden auch hier die eigenen Bedürfnisse die Kosten. Oft bin ich ohnehin nur zum Schlafen und Duschen in der Unterkunft, da brauche ich kein 5 Sterne Resort.
Wer länger bleibt – etwa einen Monat in einer Wohnung oder einem Condo – bekommt Preise von 10 bis 20 Euro pro Nacht und spart dadurch Hunderte Euro.
Diese Preise gelten fast immer pro Zimmer und nicht pro Person. Also wenn man zB. zu zweit reist, kann hier die Kosten nochmal halbieren, was die Gesamtkosten enorm reduziert.
Und wer mit Hostels keine Probleme hat, kann die Kosten noch deutlich auf ca. 5-10€ / Nacht senken. Ich bin jedoch kein Fan davon oder vielleicht auch einfach schon zu alt für sowas 😉
Meine Strategie: Ich spare bewusst bei Unterkünften, weil ich eh mehr unterwegs bin als im Zimmer. Dafür gönne ich mir gelegentlich ein paar Tage Luxus mit Rooftop-Pool oder besserem Ausblick. Vor allem, wenn ich ein paar fokussierte Arbeitstage einplane, lege ich auch Wert auf einen guten Arbeitsplatz im Apartment.
Durch den ständigen Wechsel der Unterkünfte bin ich aber auch manchmal gezwungen, teurere Preise zu akzeptieren. Aber so halte ich das Budget bei etwa 700 bis 900 Euro im Monat – nicht mehr als zu Hause. Bei der nächsten Reise werde ich längere Aufenthalte einplanen um da nochmal auf etwa 500-600€ runterzukommen.
Das richtige Mindset: Workation statt Urlaub
Viele verwechseln das mit einem verlängerten Urlaub, aber das ist ein fataler Fehler. Bei zwei Wochen Urlaub sparst du vorher an, nimmst freie Tage und landest danach oft mit einem Loch am Bangkonto wieder daheim. Denn man gönnt sich ja etwas und schaut da auch selten auf’s Geld. Eine mehrmonatige Workation ist etwas anderes: Ich arbeite unter tags, treffe Deadlines und verdiene weiter Geld, welches die Reise finanziert. Durch den längeren Aufenthalt und meine Kosten zu Hause, versuche ich großteils auf’s Budget zu schauen und tracke meine Ausgaben per App (travelspend) gut mit.
Das macht es nachhaltig und finanzierbar. Klar, der Strand lockt, aber ich weiß, dass ich morgen Zeit habe, wenn ich heute liefere. Diese Balance – Arbeit und Freiheit – ist der Kern.
Zeitplanung und der Vorteil Südostasiens
Der 7- bis 8-stündige Zeitunterschied zu Europa ist ein Geschenk. Meine Tage laufen perfekt: Vormittags von fokussiere ich mich auf deep work, ohne Ablenkungen durch E-Mails oder Kunden-Calls – denn meine Kunden in Europa schlafen zu der Zeit noch. Keine Störungen, keine E-Mails. Mittags esse ich und mache Pause, genieße die Zeit vielleicht, um die Gegend zu erkunden oder die Sonne in einem Cafe am Strand zu genießen. Nachmittags kommen dann schön langsam Calls und Kundenkommunikation, abends erledige ich den Rest vom Apartment aus.
Das funktioniert nicht überall. Achte also bei deinem Reiseziel auf die Zeitzone (und die deiner Kunden!) – das spart dir nächtliche Schichten.
Die oft unterschätzten Extra-Kosten
Neben den Ausgaben für Unterkünfte, Transporte, Ausflüge etc. gibt es noch weitere Ausgaben: Eine gute Reiseversicherung* kostet 30 bis 50 Euro monatlich, eine lokale SIM-Karte mit Datenvolumen je nach Land zwischen 10 und 30 Euro. Vor allem wenn man von unterwegs aus arbeitet und nicht auf das evtl. schwankende WIFI in der Unterkunft angewiesen sein will, sollte man da gleich einen unlimitierten Plan wählen (Achtung: Viele Anbieter verkaufen es als unlimitiert, aber es gibt dennoch tägliche limits!).
Ein gutes VPN ist enorm wichtig, wenn du unterwegs arbeitest, um deine Konnektivität zu sichern und sensible Daten – besonders Kundendaten – zu schützen. Ich setze hier auf NordVPN*, das in Südostasien und weltweit zuverlässig funktioniert hat.
Warum NordVPN? Es bietet starke Verschlüsselung, eine strikte No-Logs-Policy und einen Kill-Switch, der Verbindungen unterbricht, falls das VPN ausfällt. Mit Tausenden Servern in der Region, inklusive Thailand und Vietnam, umgeht es Geo-Blocks und hält Geschwindigkeiten stabil für das Remote Arbeiten.
Mein Visa hier in Vietnam kostet für 90 Tage ca. 30 Euro. In Thailand kann man als Tourist 60 Tage kostenfrei einreisen.
Gelegentliches Co-Working kostet vielleicht 10-15€ pro Tag. Wobei man auch hier gut einsparen kann, denn zB. hier in Thailand oder Vietnam setze ich mich auch gerne mal ein paar Stunden in ein Cafe und arbeite von dort aus – ohne unerwünscht zu sein solange man natürlich auch etwas konsumiert.
Die Herausforderungen – ehrlicher Real Talk
Es ist nicht nur immer paradiesisch. Der größte Kampf ist FOMO – die Angst, etwas zu verpassen: Der Strand ruft, während der Laptop und die Arbeit im Hinterkopf sitzt. Es gibt in jeder Gegend einfach so viel zu sehen und zu entdecken. Man denkt ständig “ „na wenn ich schon hier bin, dann will ich auch noch den Tempel oder die Gegend hier in der Nähe sehen“. Auch hier ist wieder Selbstdisziplin und gutes Zeitmanagement gefragt. Meine Lösung sind längere Aufenthalte an einem Ort, 1-2 Monate oder mehr, dann weiß ich, dass ich Zeit habe. Ständiges Umziehen frisst Produktivität und Nerven – das muss ich momentan selbst erfahren.
Klar, kann es je nach Gegend zu Strom- oder Internet-Ausfällen kommen. Auch dafür sollte man vorbereitet sein. Ist aber nicht die Regel sondern eher der Ausnahmefall.
Je nachdem, wie aufgeschlossen du bist, oder in welchem Land man unterwegs ist, kann man auch schnell soziale Kontakt vermissen. Denn im Büro hat man die Kollegen – unterwegs ist man oft auf sich alleine gestellt. Wenn ich mit anderen Leuten connecten will, dann schaue ich mich nach meetups in der Gegend um oder nutze Apps wie nomadtable um gemeinsame Aktivitäten zu planen oder daran teilzunehmen. So entstehen hier recht einfach neue Kontakte, die auch zu neuen Freunden werden können. Aber Achtung: Denk dran, dass es bei den meisten so sein wird, dass die Leute nach einer Zeit wieder weiterziehen oder man selbst reist weiter und so muss man am neuen Standort wieder von Null anfangen – das gehört leider zu diesem Lifestyle dazu.
Ich bleibe aber mit dem ein oder anderen auf social media in Kontakt und habe manche dann wieder nach einer längeren Zeit in einem Land wieder getroffen.
Eine Finanzübersicht im Vergleich
Zu Hause reduziere ich meine Ausgaben auf etwa 600 Euro monatlich. Im Reiseland gebe ich zwischen 1400 und 1700 Euro für Unterkunft, Essen, Flüge und Unterhaltung aus. Insgesamt liegen meine Kosten damit auf einem ähnlichen Niveau wie bei einem gesamten Winter zu Hause, in dem ich nur sitze, einkaufen fahre und arbeite. Stattdessen bin ich hier viel unterwegs, halte mich durch das Herumlaufen und Reisen körperlich fit, entdecke die Welt und genieße die Zeit in vollen Zügen. Dank meiner laufenden Einnahmen bleibt das Ganze profitabel. Dennoch empfehle ich, darauf zu achten, einen Puffer von ein bis zwei Monaten Notfallgeld zu haben, der dir Sicherheit bietet.
Die Rückkehr – finanziell unkompliziert, aber mental hart
Nach fünf Monaten Südostasien kommt der Moment, den niemand gerne plant: die Rückkehr. Ich plane meine Rückkehr absichtlich im April, denn da wird es schön langsam warm und angenehm in Österreich. Schlimmer ist es, bei Minusgraden zurückzukehren. Der Kontrast haut einen um.
Mental ist es ein Schock. Die ersten Tage fühlt man sich wie in einem falschen Film – Freunde reden über die Arbeit, während du noch Streetfood und Nachtmärkte vor Augen hast. Ruhelosigkeit, ständiges Vergleichen von Vietnam-Preisen mit Österreich und ein umgekehrtes FOMO machen die ersten zwei Wochen zu einem Jetlag für die Seele.
Finanziell läuft es dagegen problemlos. Weil ich nie mehr ausgegeben habe als zu Hause, gibt es keinen Crash. Meine Wohnung steht bereit, nachdem die Vermietung endet, das Auto hole ich mit reaktivierter Versicherung ab. Die Kosten steigen kontrollierbar, aber dafür ja keine Reisekosten mehr – kein Abgrund.
Das System macht es genial: Die Rückkehr ist geplant. Keine Schulden, nur eine temporäre mentale Hürde. Ich stehe sofort bereit für Runde zwei – nicht als Traum-Ende, sondern als nächste Etappe. Die Planung für die nächste Reise startet sehr wahrscheinlich kurz nach Rückkehr 😉
Dein Weg zu deiner long-term Workation
Fang mit deiner Arbeit an: Kannst du remote wechseln oder hast du sonstiges laufendes Einkommen? Danach prüfe deine Fixkosten – wie viel lässt sich kürzen? Wähle für die erste Reise ein günstiges Land, Marokko, Südostasien oder Ähnliches, plane längere Standorte und baue Disziplin auf. Mit einer soliden Reiseversicherung und Puffer bist du startklar.
Das ist kein Traum – es ist planbar. Tausende leben es. Du schaffst das auch.
Wo würdest du auch monatelang remote arbeiten? Teile es hier unten in den Kommentaren!