Wow, die Zeit verfliegt!
Vor einem Jahr hatte ich meinen letzten Arbeitstag in einer Werbeagentur (nach 10 Jahren als Angestellter). Mir kommt es vor, als wäre ich letzte Woche noch mit den Arbeitskollegen im Büro gesessen, dabei ist das nun wirklich schon ein ganzes Jahr her.
In den Jahren zuvor wollte ich nie selbstständig sein. Ich hatte meine Gedanken bei meinen Hobbies und somit wollte ich nie daran denken, wieviel Geld nun im nächsten Monat auf mein Konto kommt. Das ist in der Anstellung natürlich sehr praktisch, da man sich bei dem Thema nicht darum kümmern muss. Das sieht in der Selbstständigkeit natürlich ganz anders aus.
Nach meiner Kündigung wusste ich noch gar nicht richtig, was ich weiter machen wollte. Der damalige Plan war eigentlich nur ein Arbeitgeberwechsel, um einfach in eine andere Umgebung, neue Leute und neue Aufgaben zu gelangen. Das alles hat sich dann aber etwas geändert…

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Zwei Tage nach meinem letzten Arbeitstag bin ich in ein Flugzeug gestiegen, welches mich an die Algarve in Portugal gebracht hat. Ich habe mich einer coolen Truppe zum zweiwöchigen Coworking angeschlossen, um work&travel gemeinsam in Strandnähe zu verbringen. In diesen zwei Wochen konnte ich einige digitale Nomaden kennenlernen. Dieser Erfahrungsaustausch hat in mir so viel ausgelöst und mich umdenken lassen. Es gibt da draußen neben dem Arbeiten, so wie ich es bisher gekannt habe, noch eine ganz andere Arbeitswelt, die auch funktioniert! Meine Ziele waren klar. Ich will zwar kein digitaler Nomade sein – aber mir wurden Ortsunabhängigkeit und Flexibilität einfach immer wichtiger und daher habe ich es mir als Ziel gesetzt, mehr von unterschiedlichen Orten aus arbeiten zu können und das Leben damit mehr zu genießen.

An die 2 Wochen habe ich dann noch eine Woche Surfcamp angehängt, denn wenn man schon an der Algarve ist, muss man auch mal Lernen, aufs Surfboard zu springen. Auch danach habe ich dann noch um weitere 3 Wochen meinen Aufenthalt in Portugal verlängert, habe mir ein Apartment Woche für Woche gemietet (zu Zeiten von Corona-Lockdowns waren die Mietpreise verlockend günstig) und habe dann von dort aus noch weitere 3 Wochen gearbeitet und zwischendurch die Gegend erkundet.

Als ich zurück nach Österreich kam, war mir klar, dass ich die Selbstständigkeit anstreben will, um so mehr Flexibilität im Leben zu haben. Der Gedanke, nochmal wo angestellt zu sein, war für mich fast(!) gestorben. Wieso nur fast? Im März wollte ich nochmal sichergehen, ob ich mir wirklich ganz sicher bin und hatte für ein Monat einen Teilzeitjob in einer anderen Werbeagentur angenommen, um zu sehen, ob ich mich nicht täusche oder ob mit evtl. auch der Wechsel in eine andere Agentur reichen würde. Aber nein, mein eigener Chef zu sein und meine Zeit flexibel einzuteilen war mir einfach wichtiger und somit hatte ich mich dann noch für das Unternehmensgründungsprogramm angemeldet, welches mich am Weg zur Selbstständigkeit vorbereitet.

Bis zum Start des Programms, war eigentlich mein Plan, mal ein paar Monate herunterzufahren und nur an Projekten zu arbeiten, die sich von selbst ergeben, um ein bisschen die Zeit zu genießen. Dass sich dann so viele Projekte durch Empfehlungen ergeben haben, so dass ich das ganze letzte Jahr lang genug Arbeit hatte, an denen ich arbeiten durfte, damit hätte ich nicht gerechnet.

Ich wollte aber dennoch den remote work lifestyle genießen und habe meinen Arbeitsort von meinem Zuhause in Wien immer wieder in Strandnähe verlagert. Somit war ich in Summe aufgeteilt etwa 5 Wochen in Griechenland unterwegs und habe mir die Zeit so eingeteilt, so dass ich hauptäshclich vormittags und abends arbeite und dazwischen die Gegend (Athen, Mykonos und Thessaloniki) erkunden kann. Ach ja, ein paar Tage Valencia waren dann als „Urlaub“ auch noch drin. Ebenso habe ich in der Zeit, wo ich von zu Hause aus gearbeitet habe, zwischendurch immer wieder einige Stunden auf der Surfwelle (CityWave) verbracht. Solch eine spontane Freizeitgestaltung wäre mir in einer Festanstellung mit fixen Arbeitszeiten einfach nicht möglich gewesen und somit genieße ich die Vorzüge der Selbstständigkeit.

Das alles klingt nun nach einem Traum-Leben. Naja, die Selbstständigkeit hat natürlich nicht nur Vorteile. Wie oben erwähnt, muss man nun selbst sehen, wie man das Bankkonto jeden Monat auffüllt und man damit seine Kosten decken kann. Und dabei rede ich nicht von den Reisekosten, denn diese habe ich großteils mit angesparten Mitteln finanziert. Neben seinen eigenen Fixkosten muss man nun auch die gewerblichen Kosten dazurechnen. Einkommensteuer und gesetzlich vorgeschriebener Sozialversicherung (beinhaltet Krankenversicherung, Unfallversicherung und Pensionsversicherung) darf man nicht unterschätzen. Dazu kommen noch die laufenden Kosten, die man zur Ausübung des Gewerbes benötigt. Okay, die Kosten in der digitalen Branche mag man jetzt geringer einschätzen als in anderen Branchen, aber dennoch darf man Lizenzkosten für Software und Arbeitsgeräte nicht außer Acht lassen.

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Auch die Zeiteinteilung kann sowohl Vorteil als auch ein Nachteil sein. In Summe arbeitet man meistens in der Selbstständigkeit mehr als in einem Angestelltenverhältnis. Denn neben den eigentlichen Arbeiten, muss man sich auch um andere Dinge wie Angebotserstellung, Kundengewinnung, Abwicklung etc. kümmern. Oft sind das viele Dinge, die in dem Moment kein direktes Geld einbringen. Wieviel Zeit und Energie steckt man nun in diese Dinge? Welche Prozesse kann man evtl. optimieren oder sogar auslagern? Solche Fragen tun sich immer wieder auf. Als Einzelkämpfer mehrere Projekte gleichzeitig abzuarbeiten erfordert auch viel Kraft und Durchhaltevermögen. Die Zeiteinteilung ist da immer noch ein großes Thema, welches ich weiter verbessern muss.

Auch wenn es viel Energie benötigt, überwiegen aus meiner Sicht die Vorteile und ich genieße die Flexibilität der Selbstständigkeit.
Mein erstes Jahr in der Selbstständigkeit lief für mich eigentlich besser als erwartet. Dadurch, dass ich mein Gewerbe schon vor ein paar Jahren neben meiner Vollzeitanstellung gegründet hatte, und somit schon nebenbei hin und wieder an ein paar Projekten gearbeitet hatte – damals nie mit dem Ziel mich selbstständig zu machen, sondern rein zur Abwechslung, neue Skills zu lernen und auch als Nebenverdienst gedacht – hatte ich vermutlich schon einen guten Start. Durch Empfehlungen kam ich so auf ständig neue Projekte, an denen ich im letzten Jahr als Kleinunternehmer arbeiten durfte.
Während der letzten 4 Monate konnte ich durch das Unternehmensgründungsprogramm auch an vielen Workshops teilnehmen, welche mich am Weg in die vollständige Selbstständigkeit aufbauen. Dieses Programm läuft noch bis Ende des Jahres und ab 1. Jänner 2022 beginnt mein erstes „richtiges“ Jahr in der Vollzeit Selbstständigkeit. Dann geht’s erst richtig los 😉

Wie war dein Start in die Selbstständigkeit? Oder planst du, dich selbstständig zu machen? Schrieb doch einen Kommentar, wie du das so siehst!

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