Überwintern in Südostasien: Der Digital Nomad Lifestyle wird Realität

Es ist jetzt drei Wochen her, dass ich auf dem Flughafen in Bangkok gelandet bin – und ehrlich gesagt: Die Zeit verfliegt. Ich sitze hier in einem Café irgendwo im Herzen der Stadt, Verkehrslärm im Hintergrund, und frage mich selbst, wie ich jemals wieder in einen österreichischen Winter zurückkehren könnte 😅

Vom Fernweh zur bewussten Entscheidung

Letzten Februar und März war ich bereits zwei Monate in Thailand und Bali unterwegs – und ich hab‘ Blut geleckt. Die Wärme, die Freiheit, die Art zu leben, die hier einfach möglich ist: Das hat sich in mein Gehirn eingebrannt. Aber damals war es noch ein Abenteuer mit Rückkehrdatum, noch mehr ein Urlaub als ein Lifestyle.

Zurück in Österreich passierte dann das, was vielen passiert: Der Alltag hat mich wieder eingeholt. Den Sommer über war ich zwar immer wieder mal wo unterwegs, aber in Summe gesehen, hat es sich angefühlt, als wäre jeder Tag gleich. Dann kam noch dazu, dass der Winter näher rückte. Die Tage wurden grau und kurz, und mir wurde klar, dass ich das nicht nochmal will. Nicht dieses Jahr. Die Erinnerungen an die morgendliche Sonne, die warme Luft auf der Haut, die Leichtigkeit, sich lebendig zu fühlen – sie waren zu präsent. Und diesmal sollte es anders sein: nicht nur ein paar Wochen oder ein, zwei Monate, sondern mindestens fünf Monate. Eine echte Überwinterung. Seit Jahren wollte ich das schon mal machen und jetzt ist es soweit. Ein echter Test für mich.

Denn das ist der große Unterschied, den ich jetzt spüre: Es ist etwas ganz anderes, ob man irgendwo Urlaub macht oder ob man wirklich dort lebt, arbeitet, Deadlines einhält und gleichzeitig versucht, die Welt um sich herum zu erkunden.

Die unterschätzte Vorbereitungsphase

Aber bevor ich hier ankam, gab es eine Phase, die ich ehrlich gesagt unterschätzt habe: Die Vorbereitung. Wenn man „nur“ für zwei, drei Wochen Urlaub macht, ist das kein großes Ding. Man packt seinen Koffer und fährt. Aber für fünf Monate? Das ist eine andere Geschichte.

Vor allem muss so eine Reise auch finanziert werden – vor allem, wenn man zusätzlich die regulären Kosten zu Hause weiter tragen muss. Da war erst mal das Auto: Wo stelle ich das hin? Wie melde ich es ab? Wie kümmere ich mich darum, dass es nicht einfach so rumsteht und verrottet? Das klingt simpel, aber es waren sehr viele administrative Dinge, die zu erledigen waren.

Dann meine Wohnung: Ich wollte sie vermieten, um nicht umsonst für eine leerstehende Wohnung zu zahlen, während ich am anderen Ende der Welt sitze. Also erst mal eine passende Person finden, denn auch das kostete viel Zeit mit mehreren Besichtigungsterminen. Dann die Wohnung vorbereiten, ausmisten, Platz schaffen für die MieterIn. Das hört sich nach einem Wochenendprojekt an – war aber weit mehr. Ich musste überlegen, was bleibt, was kommt weg, wie richte ich es so her, dass jemand anderes sich darin wohlfühlt? Wo verstaue ich meine persönlichen Gegenstände und Wertsachen. Es brauchte ein paar Wochen, bis das wirklich geregelt war.

Was noch dazukommt: Die Versicherung. Ich hatte zuerst gedacht, ich nehme einfach eine normale Reisekrankenversicherung so wie ich es auch bei der letzten Reise gemacht habe. Bis ich realisierte, dass die meisten Auslandskrankenversicherungen auf zwei, maximal drei Monate am Stück pro Jahr beschränkt sind. Das ist für meine Pläne völlig unzureichend. Also musste ich recherchieren, verschiedene Angebote vergleichen, Bedingungen durchlesen – wer deckt was ab, wie lange, was sind meine echten Optionen als jemand, der längerfristig im Ausland bleibt? Es hat einige Stunden gedauert, bis ich eine Versicherung fand, die mir ein gutes Gefühl gab. Falls es dich interessiert, ich habe mich für diese Reisekrankenversicherung* entschieden.
Hier findest du auch einen Artikel dazu, den ich vor Kurzem geschrieben hab: Die passende Auslandskrankenversicherung für Südostasien.

In den Wochen vor der Abreise war ich im Dauerstress. Ständig eine Task-Liste im Kopf, ständig etwas zu regeln, zu organisieren, zu klären. Und das alles, während ich mein Unternehmen zu führen hatte. Ich habe das unterschätzt – deutlich unterschätzt. Aber im Nachhinein? Es hat sich absolut gelohnt. Der bürokratische und organisatorische Ballast ist weg, und ich kann mich hier voll und ganz auf das konzentrieren, was ich hier sein will: jemand, der lebt, arbeitet und die Welt erkundet.

Die größte Herausforderung: Balancing Act

Das Schwierigste an diesem Lifestyle ist tatsächlich die Zeiteinteilung. Ich will natürlich von Südostasien so viel wie möglich sehen und erleben – aber gleichzeitig muss ich mein Business am Laufen halten. Mails beantworten, Projekte voranbringen, Kunden-Termine abhalten, Deadlines einhalten. Aktive Kunden habe ich soweit informiert und dank online-calls gibt es für sie aber keine Einbußen und für sie macht es daher keinen Unterschied, ob ich nun in Wien oder in Bangkok sitze.

Die logische Konsequenz: Um wirklich produktiv zu sein und eine Routine aufzubauen, sollte man längere Zeit an einem Ort bleiben. Nicht ständig die Unterkunft wechseln, nicht ständig neue Orte erkunden, neue Transportmittel nehmen, neue Wohnzimmer auspacken. Das kostet mental und zeitlich einfach zu viel Energie.

Aber: Die letzten drei Wochen habe ich es genau so gemacht. Und ja, das war anstrengend. Aber auch unglaublich bereichernd, wenn man von so vielen Eindrücken und neuen Orten inspiriert wird.

Bangkok: Viel mehr als nur ein Durchgangsort

Die meisten Touristen, bleiben 3-4 Tage in Bangkok – checken vielleicht den Grand Palace ab, fahren zum Floating Market, und dann geht’s weiter zu den Inseln oder nach Phuket zu den Stränden. Ich hatte das im Februar auch so gemacht, also wollte ich es diesmal anders angehen.

Und ich bin froh, dass ich mir diesmal mehr Zeit für die Stadt genommen habe. Bangkok ist nicht „sehenswert“ wie ein Museum – Bangkok ist lebendig. Jede Ecke lebt und pulsiert. Es ist laut und chaotisch und ein bisschen verrückt, ja. Aber ich könnte nicht glücklicher sein. Es gibt diese entspannte Lebensweise mit gleichzeitiger Intensität – nicht widersprüchlich, sondern irgendwie perfekt durchmischt.

Solo Travel auf 5 Monate: Eine neue Dimension

Ich bin hier alleine nur mit Handgepäck unterwegs. Solo Travel ist nicht neu für mich – ich hab‘ das schon mehrmals gemacht. Aber fünf Monate alleine? Das ist nochmal etwas anderes. Es gibt Momente, in denen ich die Stille und die totale Unabhängigkeit liebe. Aber es gibt auch Momente, in denen es einsam sein kann.

Das Gute ist: Ich bin hier nicht wirklich alleine. Der Lifestyle zieht eine bestimmte Art von Menschen an. Überall treffe ich Locals, andere Traveller, Expats, digitale Nomaden – Menschen, die ähnlich denken, ähnliche Träume haben, oder einfach offen dafür sind, sich auf tiefere Gespräche einzulassen. In Österreich habe ich manchmal das Gefühl, dass viele Menschen in ihren Gewohnheiten verhaftet sind. Hier herrscht eine offene, progressive Mentalität, die einfach erfrischend ist.

Das macht die Reise weniger einsam. Es entstehen echte Verbindungen – schneller, intensiver, authentischer.

Arbeiten und Leben unter der Sonne

Jetzt, nach all der Vorbereitung und den ersten drei Wochen, bin ich in einem Modus angekommen, der sich richtig anfühlt. Ich arbeite von hier aus – von meiner Unterkunft oder manchmal unterwegs von Cafes aus. Mein Business läuft, meine Kunden merken nicht, dass ich in einer anderen Zeitzone bin, und das ist genau, wie es sein sollte.

Gleichzeitig erkunde ich Bangkok, lerne die Stadt und ihre Menschen kennen, baue mir einen neuen Lifestyle auf. Es ist nicht mehr „Urlaub im Sinne von Abschalten“ – es ist echtes Leben. Mit Arbeit, mit Routinen, mit der Balance zwischen Produktivität und Abenteuer.

Das ist das, worauf ich hingearbeitet habe. Und es funktioniert – bisher.

Der Anfang einer langen Reise

Natürlich ist klar: Die nächsten Monate werden sehr spannend. Ich werde meine Routine weiter verfeinern müssen – einen Balance-Point zwischen Arbeiten und Erleben, zwischen Stabilität und Abenteuer. Ich werde herausfinden, ob mir dieser Lifestyle wirklich dauerhaft liegt oder ob es doch nur eine schöne Episode bleibt. Meine Reise bleibt natürlich nicht in Bangkok, ich will mir auch Orte wie Chiang Mai ansehen und Mitte Jänner geht’s dann weiter nach Vietnam und wer weiß, wohin danach.

Aber in diesem Moment, bei einem Iced Kaffee in Bangkok, während die Stadt um mich herum lebt und ständig neue Menschen in meinen Radius kommen, bin ich mir ziemlich sicher: Die ganzen Vorbereitungen, der bürokratische Stress, die Organisation – es hat sich gelohnt.

Und die Reise hat gerade erst angefangen.

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